Story Konzept AUCH MAL NEIN SAGEN KÖNNEN

Mais, soweit das Auge reicht. Vom Ackerland in Monokultur zu einem der schönsten Güterverkehrszentren in Deutschland. Eine Entwicklung mit Höhen, Tiefen und langem Atem. Lesen Sie, wie sich das GVZ Region Augsburg seit der Idee von 1996 bis heute konsequent entwickelt hat und warum man auch mal Nein sagen darf.

1. Tag der Logistik

Im Bus klammern sich die Fahrgäste an den Vordersitz, recken die Köpfe und hören über den Lautsprecher: „Diagonal misst das 112 Hektar große Gelände rund zweieinhalb Kilometer. Zu Fuß ist man in einer Runde gut eine Stunde unterwegs. 61 Hektar sind Nutzfläche und davon haben wir bereits 28 % verkauft.“ Es ist April 2009, der erste „Tag der Logistik“ im GVZ Region Augsburg. Kurt Forner, der damalige Geschäftsführer der Entwicklungsmaßnahmengesellschaft, informiert einen Bus voll Teilnehmer auf holpriger Fahrt über das halbwegs erschlossene Gelände. Das Dreieck zwischen der A 8 und der B 17 präsentiert sich erstmals der breiteren Öffentlichkeit. Forner leitete damals das Augsburger Liegenschaftsamt und war ein Mann der ersten Stunde und übernahm 1996 als Geschäftsführer die neu gegründete Entwicklungsmaßnahmen GmbH der Städte Augsburg, Gersthofen und Neusäß für die Vermarktung der Flächen. Seit 2012 hält Ralf Schmidtmann die Stellung und führt seither regelmäßig Investoren, Nachbarn und andere Stakeholder über das Gelände.

Von der grünen Wiese zum Erfolgsmodell

Für Logistiker gibt es heute nur noch kleine Restflächen. 85.000 m² sind als fertig konzipierter Servicepark für Intermodale Services direkt am Containerbahnhof vorgesehen. Der Servicepark SO10 ist mit einem 4-Sterne-Hotel zur Hälfte belegt. Vorgesehen sind weitere Immobilien mit Büro und Nahversorger. Die Serviceparks sind Meilensteine der GVZ-Geschichte, die seit der Verkehrsfreigabe im Oktober 2010, zu der Horst Seehofer als Ministerpräsident Bayerns angereist war, eine Erfolgsgeschichte ist. Streng nach dem Konzept 50 % Logistik, 30 % Kombinierter Verkehr und 20 % Servicedienstleister ziehen seither Unternehmen ins GVZ. Vor Ort sind die größten Logistikimmobilienentwickler Goodman und Prologis. Logistikdienstleister wie DB Schenker, Hellmann oder Dachser finden sich auf dem Gelände. Und regionale Unternehmen nutzen das GVZ für ihre Logistik oder beziehen von hier aus Dienstleistungen rund um Gabelstapler, Gas, Nutzfahrzeuge oder Container.

Die Summe der kleinen Gespräche

Fast alle angesiedelten Firmen haben bereits am Tag der Logistik mit Unterstützung vom GVZ-Team ihre Türen geöffnet. Unter anderem gab Containerlogistiker Kloiber Einblick in sein Geschäft und erzählte, was Checker und Stapler in seinem Depot machen. Mercedes war Gastgeber für ein Sicherheitstraining mit Lkw zum toten Winkel mit über 100 Kindern aus den Schulen der angrenzenden Stadtteile. Hellmann zeigte der Öffentlichkeit, wie z. B. sperrige Matratzen oder Bürostühle im Stückgut-Crossdocking Empfänger erreichen. Ziegler baute einen Parcours zum Gabelstaplerfahren auf. DHL und Prindo zeigten gemeinsam die Lieferkette für Büromaterialien. Und immer wieder führten Themen-Spaziergänge durch das Gelände. Zuletzt ging es um Artenvielfalt der Logistik, davor um die grüne Wiese für den Containerbahnhof und immer wieder quer durch die Biotope und Schafweiden zum Thema Nachhaltigkeit. „Ich glaube, dass gerade diese regelmäßige Veranstaltungsreihe zu den entscheidenden Bausteinen in der Entwicklung des Logistikstandortes zählt. Der direkte Kontakt vor Ort in Kombination mit der Gelegenheit, Logistik erleben zu können, das macht den Unterschied“, blickt Schmidtmann zurück.

Langstreckenlauf mit Staffelübergabe

Für ihn ist die stetige Aufklärung, die Information und die Arbeit mit den städtischen Gremien die Erfolgsformel. Nicht jeder Stadt- oder Landrat weiß auf Anhieb, was hinter den drei Buchstaben GVZ steckt. Für viele ist es ein asphaltversiegelter Ort, der Lkw-Verkehr und prekäre Arbeitsverhältnisse magisch anzieht. Dass genau das nicht passiert, dafür sorgte eine konsequente Haltung im interkommunalen Planungsverband, den die Städte Augsburg, Gersthofen und Neusäß 1996 mit einem klaren Konzept zur nachhaltigen Gestaltung und dem richtigen Mix an Firmen gründeten. Ein Rückhalt, mit dem Schmidtmann mehrfach „nein“ zu nicht passenden Ansiedlern sagen konnte. Flankierend schloss sich die heimische Logistikwirtschaft damals für ein paar Jahre in einer Entwicklungsgesellschaft zusammen, die sich um gemeinsame Konzepte und Dienste unter Einbezug des Güterverkehrszentrums kümmerte.

Happy End im Anflug

Im Ranking der Deutschen GVZ-Gesellschaft (DGG) mit Platz 31 verfehlte das GVZ Region Augsburg 2020 nur knapp die Top 30 in Europa. Trotzdem ist der Platz ein weiterer Meilenstein auf dem Weg vom weißen Fleck auf der Logistiklandkarte Anfang der 90er-Jahre über den Hidden Champion von 2009, der damals nach Attraktivität und Intensität laut Fraunhofer Platz 18 in Deutschland belegte, bis zum betriebsamen Logistikstandort von heute.

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